Ich könnte ganz von vorne anfangen, aber das wäre ja langweilig. Deshalb geht es jetzt einfach mit einer nostalgisch-verliebten Darstellung über die Tempelhofer Freiheit – das Feld. Ich bin mir sicher, dass jeder Neu-, Alt- und Wunschberliner es kennt. Sollte den nicht so sein, und das ist ein wirklich trauriger Tatbestand, dann muss das ganz dringend nachgeholt werden. Nun, was macht das Feld also so besonders, den Parks gibt es ja bei Weitem genug! Als das Feld für den Pöbel geöffnet wurde, war das ein Befreiungsschlag für all diejenigen, die jahrelang an diesem wunderschönen Fleckchen Nichts vorbei gelaufen sind – entlang tausender betreten verboten Schilder.
Wir haben schon immer direkt am Feld gewohnt. Manchmal konnte ich, wenn der Wind gut, oder schlecht oder wie man das auch sehen mag, die ausgefahrenen Triebwerke der Flugzeuge fast anfassen. Auch bin ich als Kind vom Flughafen Tempelhof abgeflogen, um meine Verwandten in Westdeutschland zu besuchen. Das war sehr aufregend, denn am Flughafen Tempelhof tickte alles ganz anders. CheckIn, Gepäckband und kulinarische Verpflegung fand im Grunde in einem Raum statt – dort, wo im letzten Jahre (2014) unser Bundespräsident mit seiner Frau den Tanz des Bundespresseballs eröffnete. Während damals die Koffer über das Band rollten, waren es letztes Jahr Sushi und Co. Zumindest ging es von dort direkt aufs Rollfeld und zumeist fußläufig ins Flugzeug.
Heute gibt es dort keine Flugzeuge mehr. Dafür einen bunten Haufen Menschen – groß, klein, jung, alt, Hippie, Alki, Studi. Neben der türkischen Großfamilie schmeißt die Rockerszene ihre Steaks auf den Grill und mittendurch stellen Kitboarder, Inlineskater, Jogger und Radfahrer ihr Können unter Beweis.
Trotz der vielfältigen Masse an Personalitäten zählt hier nur eins: jeder darf sein wie er möchte!
Und genau das ist es doch, was für uns Freiheit bedeutet. Freiheit man selbst zu sein. Freiheit, zu singen, zu tanzen, zu springen. Freiheit, auch mich 20, 50 oder 90 nochmal ein Kind zu sein. Jeder sollte einmal über das Feld laufen, die schier unendliche Aussicht genießen. Danach vielleicht ein kühles Blondes im unscheinbaren Biergarten genießen, welcher innen zwar dem Flair einer Jugendherberge-Essensausgabe im Osten hat, aber draußen leckeres Bier vom Fass, Bratwürste und Eis verkauft.
Eine Freiheit, die sich jeder mal gönnen sollte!
